Wenn Dinge greifbar werden

Wenn Dinge greifbar werden, ist das für mich ein befreiendes Gefühl. Die Gedanken, die einer Achterbahn gleich durch den Kopf rasen und dabei immer wieder den Looping um die Frage „Was zur Hölle stimmt mit mir nicht?“ schlagen, kann ich endlich aus dem Überschlag heraus auf die gerade Bahn lenken, auf den Aufstieg, dem hoffentlich kein Absturz folgt.

Dass ich an einer rezidivierenden, also wiederkehrenden Depression leide, wusste ich bereits, auch die Anpassungsstörung wurde bereits vom einweisenden Arzt diagnostiziert. Neu ist mir allerdings der Begriff für das, was in meinem Kopf vorgeht, wenn ich im dreckigsten, schlechtesten Viertel meiner Gedankenstadt lande – Selbstwertregulierungsstörung. Ein typisch deutsches, dreiteilig zusammengesetztes Nomen, das sich allerdings selbst erklärt.

Diese Störung KANN sich in beide Richtung äußern, und wenn der Patient ein vermindertes Selbstwertgefühl hat, dies allerdings durch eine Überhöhung nach außen zu kaschieren versucht, dann spricht man von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Die sollte mir erst diagnostiziert werden, nach Abklappern eines Fragebogens ist allerdings klar, dass dies bei mir nicht vorherrscht. Bei mir äußert sich die Störung nur in eine Richtung – nach unten.

Daher jetzt ein paar kurze, knackige Worte an das Ding, das einen schwarzen Himmel über meiner Gedankenstadt aufspannt und die Gebäude oftmals mit salzigem Wasser – tränengleich – überzieht.

Liebe Selbstwertregulierungsstörung,

du bist ein Teil von mir, der sich eingeschlichen hat. Ein chemisches Ungleichgewicht in meinem Gehirn. Du sorgst dafür, dass ich mir selbst immer wieder sage, dass ich nichts wert bin, dass aus mir nie etwas wird. Du sprichst mit der Stimme meines Vaters zu mir. Ich werde dafür sorgen, dass ich auch dich wie ihn irgendwann loslassen kann. Das wird ein verflucht weiter Weg und ich werde sicherlich auch das eine oder andere Mal auf die Schnauze fallen, aber du wirst mich diesmal nicht am Boden halten. Ich weiß, wer du bist. Ich werde dich finden. (Bitte denkt euch an dieser Stelle Liam Neeson einfach dazu.)

Gruß
Flokrates

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