Wenn Dinge greifbar werden

Wenn Dinge greifbar werden, ist das für mich ein befreiendes Gefühl. Die Gedanken, die einer Achterbahn gleich durch den Kopf rasen und dabei immer wieder den Looping um die Frage „Was zur Hölle stimmt mit mir nicht?“ schlagen, kann ich endlich aus dem Überschlag heraus auf die gerade Bahn lenken, auf den Aufstieg, dem hoffentlich kein Absturz folgt.

Dass ich an einer rezidivierenden, also wiederkehrenden Depression leide, wusste ich bereits, auch die Anpassungsstörung wurde bereits vom einweisenden Arzt diagnostiziert. Neu ist mir allerdings der Begriff für das, was in meinem Kopf vorgeht, wenn ich im dreckigsten, schlechtesten Viertel meiner Gedankenstadt lande – Selbstwertregulierungsstörung. Ein typisch deutsches, dreiteilig zusammengesetztes Nomen, das sich allerdings selbst erklärt.

Diese Störung KANN sich in beide Richtung äußern, und wenn der Patient ein vermindertes Selbstwertgefühl hat, dies allerdings durch eine Überhöhung nach außen zu kaschieren versucht, dann spricht man von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Die sollte mir erst diagnostiziert werden, nach Abklappern eines Fragebogens ist allerdings klar, dass dies bei mir nicht vorherrscht. Bei mir äußert sich die Störung nur in eine Richtung – nach unten.

Daher jetzt ein paar kurze, knackige Worte an das Ding, das einen schwarzen Himmel über meiner Gedankenstadt aufspannt und die Gebäude oftmals mit salzigem Wasser – tränengleich – überzieht.

Liebe Selbstwertregulierungsstörung,

du bist ein Teil von mir, der sich eingeschlichen hat. Ein chemisches Ungleichgewicht in meinem Gehirn. Du sorgst dafür, dass ich mir selbst immer wieder sage, dass ich nichts wert bin, dass aus mir nie etwas wird. Du sprichst mit der Stimme meines Vaters zu mir. Ich werde dafür sorgen, dass ich auch dich wie ihn irgendwann loslassen kann. Das wird ein verflucht weiter Weg und ich werde sicherlich auch das eine oder andere Mal auf die Schnauze fallen, aber du wirst mich diesmal nicht am Boden halten. Ich weiß, wer du bist. Ich werde dich finden. (Bitte denkt euch an dieser Stelle Liam Neeson einfach dazu.)

Gruß
Flokrates

Ich habe Angst.

Angst vor dem was kommt
Angst vor dem was ist
Angst vor den beiden großen
Irren die mit bloßen
Händen darauf warten ihn zu drücken
Den Knopf, der da leuchtet rot
Und sie lassen sich nicht verrücken
Von ihren Positionen – sie sind blind
Für die Konsequenzen
Und am Ende gewinnt wieder einer
Nur – Gevatter Tod

Dies ist die „Flamme des Friedens“. Sie brennt seit 1964 in Hiroshima und soll erst verlöschen, wenn alle Atomwaffen auf der Erde vernichtet sind.

Brief an den Vater

 Meine Lieben, ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diesen Brief veröffentlichen sollte. Es ist ein Brief, den ich vor eine Woche geschrieben habe, nachdem in mir ein Denkprozess angestoßen worden ist. Es kommt Gewalt darin vor, daher erneut eine Triggerwarnung. Es ist ein Brief an meinen leiblichen Vater, in dem ich meine schlechte Beziehung zu ihm verarbeite, also erneut ein sehr hartes Thema. Aber ich hoffe, durch das Öffentlichmachen für mich endgültig einen Schlussstrich ziehen zu können.

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Macht der Sprache: Todesursache Depression

Dieser Text wird schwer verdaulich. Es geht um psychische Erkrankungen (hauptsächlich Depressionen) und Suizid. Daher vorsorglich eine Triggerwarnung für genau diese Dinge. Außerdem ein Appell:

Wenn ihr in eurem Freundeskreis Menschen habt, die Anzeichen einer Depression zeigen oder diese bei euch selbst feststellt (Antriebslosigkeit, Müdigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, negative, kreisende Gedanken sind die häufigsten Symptome), dann sucht Hilfe. Eine erste Anlaufstelle kann die Telefonseelsorge sein, die ihr jederzeit unter den Rufnummern

  • 0800/111 0 111
  • 0800/111 0 222
  • 116 123

erreichen könnt. Solltet ihr nicht sicher sein, ob ihr oder jemand, den ihr kennt, Anzeichen einer Depression zeigt, so hat die Stiftung Deutsche Depressionshilfe einen Selbsttest auf ihrer Seite, der auch von Therapeuten und Psychologen genutzt wird. Sprecht mit eurem Hausarzt, wenn ihr Anzeichen bei euch selbst feststellt.

Depressionen sind schlimm, aber sie sind kein Grund, sich zu schämen oder zu glauben, dass ihr dadurch weniger wert seid. Im Gegenteil: Ihr seid es wert, dass ihr euch selbst helft.

Einen Dank möchte ich noch an eine Freundin loswerden, die mir mit einem Kommentar via Facebook-Messenger gestern Abend die Idee zu diesem Text gab. Danke, Claudia.


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Ein Liebesbrief an die Musik und ihre Macher

Das Jahr 2001 hat mich und meinen Musikgeschmack entscheidend und nachhaltig geprägt. Wie? Durch einen Klassenkameraden, der auf einem Rollenspielabend eine CD laufen ließ, die er seinerseits von einem Bekannten bekam. Wie das damals noch so üblich war, war es eine selbst gebrannte CD, im Prinzip eine selbst zusammengestellte Compilation. Die Musik, die von dieser CD erklang, fesselte mich, denn sie war so ganz anders als das, was ich bisher gehört habe. Ein Interesse an Rockmusik war bei mir vorhanden, doch hier kam etwas dazu, nämlich Dudelsack, Schalmeien, Drehleiern und Lauten, um nur einige Instrumente zu nennen. Eine Mischung, die ich bis dahin nicht kannte, und die mich vom ersten Moment an von den Socken holte. Besonders eine Band auf dieser CD hatte es mir angetan: Subway to Sally. Sicher, den Namen fand ich anfangs etwas seltsam, aber egal. Die Musik war gut, ebenso die Texte und die Stimme des mir bis dahin unbekannten Sängers.

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Wie kommt das eigentlich? – US-Shows in Deutschland

Das könnte eine kleine Serie werden. Mal schauen. Manchmal kommen mir so Gedanken, wo ich mich frage, wie das eigentlich kommt, dass ein Sachverhalt so ist, wie er ist. Den schreibe ich dann einfach mal nur als Fragestellung in den Raum, ohne das weiter auszuführen. Das dürft ihr dann mal tun. 😉

Ich schaue gerade die aktuelle Folge von Fernsehkritik-TV, bei der Tele 5-Chef Kai Blasberg zu Gast ist. Und während er und Holger Kreymeier so allgemein über das Fernsehen schwadronieren, surfe ich ein bisschen in der Wikipedia herum und erinnere mich an Zeiten, als bei RTL noch kein Scripted Reality-Mist lief, sondern Unterhaltungsshows, teils nach US-amerikanischem Vorbild. Und dann frage ich mich:

Wie kommt das eigentlich, dass in den Staaten Shows wie „Jeopardy!“ oder „Family Feud“ (dt. „Familien-Duell“) teilweise jahrzehntelang ohne Unterbrechung laufen, – im Fall von „Jeopardy!“ sogar seit 30 Jahren vom gleichen Moderator präsentiert – in Deutschland aber schon nach wenigen Jahren wieder abgesetzt werden? Sind es nur die Lizenzen, die ablaufen und nicht verlängert werden, weil sie zu kostspielig sind?